thejester wrote:
Mate, seriously? The standard of evidence here is now 'you must cite primary sources'?
At least tell me what they are. Because otherwise, how am I supposed to check them or even understand what he is arguing?
And I have tracked down the Holtzenplotz memo in full:
Quote:
Wortlaut der Denkschrift der Chefs des Admiralstabes Admiral v. Holtzendorff an den Chef des Generalstabes Generalfeldmarschall v. Hindenburg.
Ganz geheim. Berlin, 22. Dezember 1916.
Euerer Exzellenz beehre ich mich in der Anlage ein Schreiben über die Notwendigkeit eines baldigen Beginns des uneingeschränkten U-Boot-Krieges ergebenst zu übersenden. Die Niederschrift ist im Wesentlichen eine Fortsetzung der auch Euerer Exzellenz mit B. Nr. 22 247 I vom 27. August 1916 übersandten Denkschrift „Die Schiffsraumfrage und die Versorgung Englands im Jahre 1916“.
Gestützt auf die eingehenden Ausführungen der Anlage, darf ich Euere Exzellenz bitten, nachstehendem Gedankengange zu folgen, und hoffe, eine volle Übereinstimmung unserer Ansichten darüber zu erzielen, dass es unumgänglich notwendig ist, unser Vorgehen gegen Englands Seeverkehr baldigst bis zur äußersten Möglichkeit zu steigern, um die Gunst der Lage auszunutzen und uns einen schnellen Sieg zu sichern.
1.
Der Krieg verlangt eine Entscheidung vor Herbst 1917, wenn er nicht in allgemeiner Erschöpfung aller Parteien und damit für uns verhängnisvoll enden soll. Von unseren Gegnern sind Italien und Frankreich in ihrem Wirtschaftsgefüge so stark erschüttert, dass sie nur noch durch die Energie und Tatkraft Englands aufrecht erhalten werden. Gelingt es, England das Rückgrat zu brechen, so ist der Krieg sofort zu unseren Gunsten entschieden. Englands Rückgrat ist aber der Schiffsraum, der den großbritannischen Inseln die notwendige Zufuhr für die Erhaltung des Lebens und der Kriegsindustrie bringt und die Zahlungsfähigkeit im Auslande sichert.
2.
Der augenblickliche Stand der in dem schon erwähnten Schreiben vom 27. August ausführlich behandelten Schiffsraumfrage ist in der Anlage nochmals dargelegt.
Er ist kurz folgender:
Die Frachten sind auf einer großen Reihe wichtiger Gebiete ins ungeheuerliche, zum Teil auf das Zehnfache und noch darüber hinaus gestiegen. Auch aus zahlreichen anderen Zeugnissen wissen wir mit Bestimmtheit, dass es überall an Frachtraum fehlt.
Die augenblicklich noch vorhandene englische Tonnage wird mit etwa 20 Millionen Brutto-Register-Tonnen zutreffend anzunehmen sein. Von diesen sind mindestens 8,6 Millionen t requiriert für militärische Zwecke und ½ Million in der Küstenschifffahrt beschäftigt, schätzungsweise 1 Million in Reparatur bzw. vorübergehend unbenutzbar; etwa 2 Millionen t müssen im Interesse der Verbündeten fahren, so dass für die englische Versorgung höchstens noch 8 Millionen t englischer Tonnage zur Verfügung stehen. Eine Durchrechnung der Statistik des Seeverkehrs in den englischen Häfen ergibt noch weniger. In den Monaten Juli—September 1916 fuhren darnach nur rund 6¾ Millionen Br.-Reg.-T. englischen Schiffsraumes auf England. Daneben lässt sich der sonstige nach England fahrende Schiffsraum auf 900 000 t feindlicher — nicht englischer — und reichlich 3 Millionen Tonnen neutraler Tonnage berechnen. Insgesamt wird England also von nur noch rund 10¾ Millionen Br.-Reg.-T. versorgt.
3.
Lässt schon die bisher geleistete Arbeit im Kampfe gegen den Schiffsraum ein weiteres Vorgehen auf diesem Wege für uns aussichtsreich erscheinen, so hat der ungewöhnlich schlechte Ausfall der diesjährigen Welternte in Brotfrucht und Futtermitteln uns eine ganz einzigartige Gelegenheit in den Schoß geworfen, die nicht auszunutzen niemand verantworten kann. Nordamerika und Kanada werden voraussichtlich schon von Februar ab so gut wie kein Getreide mehr an England abgeben können. Dann muss dieses seine Versorgung auf dem weiten Wege von Argentinien, und da Argentinien infolge seiner schlechten Ernte nur wenig liefern kann, aus Indien und in der Hauptsache aus Australien beziehen. In der Anlage ist im einzelnen ausgeführt, dass eine solche Verlängerung des Weges der Zufuhr für unsere Gegner ein Mehr an Schiffsraum von 720 000 t für die Getreidefracht beansprucht. Praktisch genommen heißt das, dass bis zum August 1917 von den verfügbaren 10¾ Millionen Tonnen ¾ Millionen für eine Leistung in Anspruch genommen werden, die bisher gar nicht notwendig war.
4.
Unter so günstigen Vorbedingungen verspricht ein energisch und mit aller Kraft geführter Schlag gegen den englischen Schiffsraum unbedingt sicheren Erfolg, so dass ich meine Äußerung vom 27. August 1916: „Unsere klar erkennbare Kriegsaufgabe ist darnach, jetzt durch Vernichten vom Transportraum die Entscheidung zu unseren Gunsten herbeizuführen“, und weiter: „Vom militärischen Standpunkte lässt sich nicht verantworten, von der Waffe des U-Bootes auch jetzt noch keinen Gebrauch zu machen“ nur wiederholen und stark unterstreichen kann. Ich stehe nicht an zu erklären, dass wir, wie die Verhältnisse jetzt liegen, mit uneingeschränktem U-Boot-Krieg in fünf Monaten England zum Frieden zwingen können. Dies gilt jedoch nur vom uneingeschränkten U-Boot-Krieg; von dem zurzeit geführten U-Boot-Kreuzerkrieg auch dann nicht, wenn alle bewaffneten Schiffe zum Abschuss freigegeben werden.
5.
Ausgehend von der früher bereits als Monatsleistung genannten Vernichtung von 600 000 t Schiffsraum durch den uneingeschränkten U-Boot-Krieg und der in der Anlage näher begründeten Erwartung, dass durch ihn mindestens zwei Fünftel des neutralen Schiffsverkehrs von der Fahrt nach England von vornherein abgeschreckt werden, lässt sich errechnen, dass der englische Seeverkehr nach fünf Monaten um etwa 39% des heutigen zurückgegangen sein wird. Dies würde England nicht ertragen können, weder im Hinblick auf die Verhältnisse nach dem Kriege, noch auch bezüglich der Möglichkeit, den Krieg fortzusetzen. Es steht heute schon vor einer Lebensmittelnot, die es zwingt, den Versuch zu machen, dieselben Streckungsmaßnahmen einzuführen, zu denen wir im Laufe des Krieges als blockiertes Land haben greifen müssen. Die Voraussetzungen für eine derartige Organisation sind von vornherein in England völlig anders, und zwar unvergleichlich viel ungünstiger als bei uns. Es fehlt an Behörden, und es fehlt an der Erziehung des Volkes zu entsprechender Einordnung in solchen Zwang. Noch aus einem anderen Grunde wird die gleichmäßige Herabsetzung der Brotration für die ganze Bevölkerung sich in England jetzt nicht mehr durchführen lassen. Sie war in Deutschland zu einer Zeit möglich, als vorübergehend andere Lebensmittel die plötzliche Verringerung der Brotration ausgleichen konnten. Dieser Augenblick ist in England verpasst und kann durch nichts zurückgebracht werden. Mit etwa drei Fünftel des Seeverkehrs lässt sich aber die Lebensmittelversorgung ohne gleichmäßige kräftige Rationierung des Brotgetreideverbrauches bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Kriegsindustrie nicht durchführen. Der Einwand, dass England genügend Brotgetreide und Rohstoffe im Lande haben könnte, um über die Gefahrzeit bis zur nächsten Ernte wegzukommen, ist in der Anlage ausführlich widerlegt.
Dazu kommt, dass der uneingeschränkte U-Boot-Krieg für England mit dem Wegfall der Versorgung aus Dänemark und Holland sofort die Fettnot bedeuten würde, da ein Drittel der ganzen englischen Buttereinfuhr aus Dänemark kommt und die gesamte Margarinezufuhr aus Holland. Ferner bedeutet es Verschärfung des Erz- und Holzmangels durch Bedrohung der Erz- und Holzzufuhr aus Skandinavien bei gleichzeitigem schärferem Erfassen der spanischen Erzzufuhr. Damit wird unmittelbar die Kohlenförderung verringert, da das dazu nötige Holz nicht mehr aufzubringen sein wird, ferner die Eisen- und Stahl- sowie die von beiden abhängige Munitionserzeugung. Schließlich gibt er uns endlich die so lange ersehnte Gelegenheit, wirksam gegen die neutrale Munitionszufuhr vorzugehen und damit der Armee eine Erleichterung zu verschaffen.
Demgegenüber würde der U-Boot-Kreuzerkrieg auch nach allgemeiner Freigabe der bewaffneten Dampfer nach fünf Monaten nur eine Verringerung der nach England fahrenden Tonnage um 5 × 400 000 Tonnen — etwa 18% des gegenwärtigen monatlichen Seeverkehrs, also weniger als die Hälfte des uneingeschränkten U-Boot-Krieges ergeben. Nach den bisherigen Erfahrungen kann keinesfalls darauf gerechnet werden, dass die Freigabe der bewaffneten Dampfer ein erhebliches Mehr an versenktem Frachtraum gegenüber den in den letzten beiden Monaten erreichten rund 400 000 t bringen wird. Sie wird vielmehr voraussichtlich nur den sonst infolge fortschreitender Bewaffnung zu erwartenden Abfall ausgleichen. Ich bin mir darüber klar, dass auch der Fortfall von rund einem Fünftel des jetzigen englischen Seeverkehrs sehr störend auf die englische Versorgung einwirken wird. Ich halte aber für ausgeschlossen, dass das jetzt unter Lloyd George's zum äußersten entschlossener Leitung stehende England dadurch zum Frieden gezwungen werden könnte, zumal da die oben erwähnten Wirkungen der Fett-, Holz- und Erznot und die nachhaltige Einwirkung auf die Munitionszufuhr fortfallen. Dazu kommt der Fortfall der psychologischen Wirkungen der Panik und des Schreckens. Diese nur vom uneingeschränkten U-Boot-Krieg zu erwartenden Wirkungen schätze ich als eine unentbehrliche Voraussetzung des Erfolges ein. Wie schwer sie wiegen, beweisen die Erfahrungen, die wir im Anfang des U-Boot-Krieges vom Frühjahr 1915, als die Engländer noch an seinen vollen Ernst glaubten, und sogar in dem kurzen U-Boot-Krieg vom März und April 1916 gemacht haben.
Voraussetzung ist ferner, dass Beginn und Ankündigung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges derart zusammenfallen, dass zu Verhandlungen, insbesondere zwischen England und den Neutralen, keine Zeit bleibt. Nur in diesem Falle wird der heilsame Schrecken in den Feind und die Neutralen fahren.
6.
Die Ankündigung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges wird die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika erneut vor die Frage stellen, ob sie die Folgerungen aus der von ihr bisher eingenommenen Haltung gegenüber der U-Boot-Verwendung ziehen will oder nicht. Ich bin durchaus der Ansicht, dass der Krieg mit Amerika eine so ernste Angelegenheit ist, dass alles geschehen muss, um ihn zu vermeiden. Die Scheu vor dem Bruch darf aber meines Erachtens nicht dazu führen, im entscheidenden Augenblick vor dem Gebrauch der Waffe zurückzuschrecken, die uns den Sieg verheißt.
Auf jeden Fall ist es zweckmäßig, die für uns ungünstigere Lösung als wahrscheinlich anzunehmen und sich klarzumachen, welchen Einfluss auf den Gang des Krieges der Zutritt Amerikas zu unseren Gegnern haben würde. In Bezug auf den Schiffsraum könnte dieser Einfluss nur sehr gering sein. Es ist nicht zu erwarten, dass mehr als ein geringer Bruchteil der in amerikanischen und vielleicht auch anderen neutralen Häfen liegenden Tonnage der Mittelmächte alsbald in die Fahrt nach England eingestellt werden könnte. Bei weitem der größte Teil lässt sich so beschädigen, dass er in der entscheidenden Zeit der ersten Monate nicht würde fahren können. Die Vorbereitungen dazu sind getroffen. Es würden auch zunächst keine Besatzungen dafür zu haben sein. Ebensowenig ausschlaggebende Wirkung wird man amerikanischen Truppen, die schon wegen Mangels an Schiffsraum nicht in erheblichem Umfange herübergebracht werden könnten, und amerikanischem Geld zuschreiben dürfen, das fehlende Zufuhr und Schiffsräume nicht ersetzen kann. Es bleibt nur die Frage, wie Amerika sich angesichts eines Friedensschlusses, zu dem England genötigt wird, verhalten würde. Es ist nicht anzunehmen, dass es sich dann entschließen würde, den Krieg allein gegen uns fortzusetzen, da ihm keine Mittel zur Verfügung stehen, entscheidend gegen uns vorzugehen, während sein Seeverkehr durch unsere U-Boote geschädigt wird. Im Gegenteil ist zu erwarten, dass es dem englischen Friedensschluss beitreten wird, um möglichst schnell wieder in gesunde Wirtschaftsverhältnisse zu gelangen.
Ich komme daher zu dem Schluss, dass ein uneingeschränkter U-Boot-Krieg, der so rechtzeitig eröffnet wird, dass er den Frieden vor der Welternte des Sommers 1917, also vor dem 1. August, herbeiführt, selbst den Bruch mit Amerika in Kauf nehmen muss, weil uns gar keine andere Wahl bleibt. Ein bald einsetzender uneingeschränkter U-Boot-Krieg ist also trotz der Gefahr eines Bruches mit Amerika das richtige Mittel, den Krieg siegreich zu beenden. Es ist auch der einzige Weg zu diesem Ziel.
7.
Seitdem ich im Herbst 1916 den Augenblick zum Zuschlagen gegen England für gekommen erklärte, hat die Lage sich noch wesentlich für uns verbessert. Der Ausfall der Welternte, verbunden mit der bisherigen Wirkung des Krieges auf England, gibt uns noch einmal die Gelegenheit, vor dem Einbringen der neuen Ernte die Entscheidung zu unseren Gunsten herbeizuführen. Nutzen wir diese nach menschlichem Ermessen letzte Gelegenheit nicht aus, so sehe ich keine andere Möglichkeit als die der gegenseitigen Erschöpfung, ohne dass es uns dabei gelingen kann, den Krieg so zu beenden, dass unsere Zukunft als Weltmacht gesichert wird.
Um rechtzeitig die nötige Wirkung erzielen zu können, muss der uneingeschränkte U-Boot-Krieg spätestens am 1. Februar beginnen. Ich bitte Euere Exzellenz um Äußerung, ob die militärische Lage auf dem Kontinent, insbesondere gegenüber den noch verbleibenden Neutralen, diesen Zeitpunkt gestatten wird. Zum Treffen der nötigen Vorbereitungen bedarf ich eines Zeitraums von drei Wochen.
I think this is more ambigous than you make it out to be.
Let me highlight a few choice passages:
Quote:
1. Der Krieg verlangt eine Entscheidung vor Herbst 1917, wenn er nicht in allgemeiner Erschöpfung aller Parteien und damit für uns verhängnisvoll enden soll. Von unseren Gegnern sind Italien und Frankreich in ihrem Wirtschaftsgefüge so stark erschüttert, dass sie nur noch durch die Energie und Tatkraft Englands aufrecht erhalten werden. Gelingt es, England das Rückgrat zu brechen, so ist der Krieg sofort zu unseren Gunsten entschieden. Englands Rückgrat ist aber der Schiffsraum, der den großbritannischen Inseln die notwendige Zufuhr für die Erhaltung des Lebens und der Kriegsindustrie bringt und die Zahlungsfähigkeit im Auslande sichert.
Here he basically says that unless the war will be decided before Autumn 1917 it will result in war-weariness on all parties and thus will be bad for Germany (in the context of becoming a Weltmacht or superpower). If however Englands tonnage will be knocked out, England will be knocked out and therefore the war will be won.
Paragraph 2 details the british tonnage.
Paragraph 3 details how the bad harvests around the world actually profit Germany because they give a narrow window of opportunity as to knocking out English foodstuff shipping. Paragraph 4 says that England could be broken within five months via unrestricted U-Boat warfare. Paragraph 5 details how England is worse equipped than Germany to get through famines and how a quick and decisive unrestricted sub-warfare campaign will get more results. Lots of details and assumptions about the weakness of the English national psyche here.
Paragraph 6 however is a clincher. Here he details how it must be very important that the USA must be kept neutral, however he estimates that even if it does not stay neutral, the US mobilization will be too late to have any impact provided Britain will be broken in five months. He also says that the unrestricted sub-warfare campaign is the right option and the only option to be victorious.
Now, it all depends on how you interpret this. To me, it reads more as if he defines victory as one in which Germany can dictate the peace terms and attain Weltmacht (cf Par. 7). It is even more telling when one looks at the context surrounding this memo, the Propaganda battle between the Reichskanzler and the military minds and the popular opinion, where Propaganda allegedly used the "Weltmacht or bust" principle. See
this article by Mommsen for the broader context.
Paragraph 7 is in which he once more says that the crop failures have hit the allies harder than Germany itself. Here he also defines his standards for victory: "ohne dass es uns dabei gelingen kann, den Krieg so zu beenden, dass unsere Zukunft als Weltmacht gesichert wird.", in short the achievement of a secure World Power. This, in context with the war aims he exposed as Propaganda coup means IMO not that Germany would lose the war should the strategy not be enacted, but more that Germany would not be able to claim world power status as a prize of war.
(I am not even considering the various power struggles going on and Holtzendorff needing to legitimize his position/status by appearing hawkish etc.)